Quarantänetagebuch: Neapel 2020

Von Laura d’Avossa

Quarantänetagebuch: Neapel 2020.

Fast surreal wirkt die Stille Neapels.

Die Plätze sind menschenleer, die Chiaia-Bars sind nicht mehr von Kindern mit ihren Bieren überfüllt, die Strandpromenade von Mergellina war noch nie so leer. Die Hupen haben aufgehört zu läuten und die Straßenlaternen erhellen den Weg nur noch für diejenigen, die zur Apotheke gehen.

In den Wohnungen ist die WLAN-Verbindung von Zeit zu Zeit knapp, es wird daran liegen, dass alle Benutzer gleichzeitig verbunden sind, um die am weitesten entfernten Lieben zu begrüßen.

Vielleicht gibt es ja bald wieder einen Flashmob: Jemand kommt zum Singen oder mit Handy-Taschenlampe auf den Balkon oder wir lassen alle applaudieren für die, die heute pausenlos arbeiten. Für diejenigen, die nach einem Heilmittel suchen, einem Gegengift für einen unsichtbaren und doch so präsenten Feind. Für die Cotugno mit den Betten fertig, eine Arbeit von Lello Esposito: ein riesiges Bronzegesicht von San Gennaro, das über Patienten und weiße Kittel zu wachen scheint. Für die in Pascale getestete Droge, um zu zeigen, dass dieses Land nicht nur vom Meer und wunderschönen Landschaften lebt, sondern von Studium, Forschung und Experimenten durch erhabene und entschlossene Köpfe wie den von Paolo Ascierto. Jorit er beschloss, ihm ein werk zu widmen: also malte er das gesicht des arztes auf eine leinwand und nicht auf eine wand, denn auf der straße kann man nicht mehr arbeiten und auch die kunst muss sich in den häusern verkriechen.

Alle mussten ihre Arbeit neu justieren, es wird smart gearbeitet, während die Kinder online dem Unterricht folgen, sie wechseln von einem Bildschirm zum anderen: vom Computer zum Fernseher, wo der Präsident der Region die nächsten Schritte ankündigt.

Zu Hause sind wir gute Bäcker geworden, aber jeder vermisst die dampfende Margherita-Pizza mit Freunden. Kaffee schmeckt nicht gleich, wenn man ihn nicht in Gesellschaft, am Tresen der Stammkneipe, in der 15.00 Uhr-Pause trinkt.

Jeder Tag sieht in dieser alltäglich gewordenen Abkehr von den gewohnten Gewohnheiten aus wie gestern.

Neapel hält an und nach und nach wird der Hintergrund ungestört zum Protagonisten der Szene.

Die Natur erobert sich ihren Raum zurück. Ohne das Getrampel der Passanten sprießen Grasbüschel zwischen den Pflastersteinen Piazza Plebiscito, das Wasser von Posillipo wird durchsichtig, die Delfine erreichen die Gaiola. Die Tage werden länger, der Frühling scheint sich nicht um die Menschenmenge und den Lärm auf den Straßen zu kümmern. Neapel lebt weiter, erblüht wieder in einem klareren Himmel.

Ich nutze diese Gelegenheit, um seine Schönheit von einem Balkon aus zu beobachten, jetzt, wo ich etwas mehr Zeit habe, um die Aussicht zu genießen.

Laura d’Avossa

Fotografien von Federico Quagliuolo

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